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Vertrauen in die eigenen Gefühle ist im Umgang mit Menschen DER entscheidende Selbstschutz. Erwachsenwerden bedeutet nicht Überwindung der eigenen Gefühle, sondern Bewußtwerden und Benennen all der verschiedenen, auch gemischten und widersprüchlichen Gefühle. Ziel ist das Erkennen und Respektieren der eigenen Gefühle und auch der von anderen.
Mädchen und Buben haben das Recht, über ihren Körper selbst zu bestimmen, zu entscheiden, wer sie wann, wie und wo berühren darf. Im Umgang mit Kindern gilt es, ein Klima zu schaffen, in dem sie erleben, daß ihr Körper einzigartig und schützenswert ist und als solcher wertgeschätzt wird. Mädchen und Buben brauchen Zärtlichkeit. Aber häufig werden sie selbstverständlich ungefragt berührt. Es liegt in der Verantwortung von uns Erwachsenen, solche ungewollten Berührungen zu verhindern.
Umfassende Sexualerziehung in altersgemäßer Form ist wichtig, damit Mädchen und Buben ihren Körper und ihre Sexualität positiv, schön und zärtlich erleben. Sie sollten für alle ihre Körper- und Geschlechtsteile Begriffe haben, die ihnen nicht peinlich sind, in ihren Fragen ernstgenommen werden und richtige Antworten erhalten.
Es gibt viele verschiedene Berührungen, die angenehme, unangenehme, komische Gefühle auslösen, die Kinder an sich sehr gut unterscheiden können. Es ist notwendig, sie in ihrer Wahrnehmung dieser Unterschiede zu bestärken, denn bei Übergriffen spielen gerade die "komischen" Berührungen, die verwirren, eine wesentliche Rolle.
Es gibt schöne Geheimnisse, die zu hüten Spaß macht und es gibt bedrückende, komische Geheimnisse, die Angst machen und sich unangenehm anfühlen. Wir können mit Kindern besprechen, daß solche Geheimnisse, die mit Angst und Drohungen verbunden sind, keine Geheimnisse sind, sondern Erpressungen und daß es kein Vertratschen oder Petzen ist, darüber zu sprechen.
Alle Menschen haben das Recht, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen und darin akzeptiert zu werden. Wichtig ist als Erwachsene, die wir immer auch Vorbildfunktion haben, diese eigenen Grenzen sicht- und hörbar zu machen und im Streitfall zu erklären. So können und sollen Mädchen und Buben am Modell lernen, daß auch sie Nein sagen dürfen und dieses auch gehört wird.
Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, im Gegenteil. Es ist eine wichtige Erfahrung und Information für Mädchen und Buben, daß es mutig ist, sich Hilfe zu holen und sie das Recht haben, sich auszusuchen, an wen sie sich wenden. Es ist gut, auch die Erfahrung zu besprechen, wenn einem Kind nicht geglaubt wird und Mut zu machen, sich an eine andere Person zu wenden. Dabei gilt es als Erwachsene/r auch, auszuhalten, wenn das Kind sich eine andere Vertrauensperson sucht.
Kinder fühlen sich häufig schuldig. Nicht nur, wenn Erwachsene sich streiten oder ungerecht reagieren, sondern auch, wenn etwas "Komisches", "Geheimes", Belastendes in der Luft liegt. Hier liegt es in unserer Verantwortung als Erwachsene, Kinder zu entlasten und deutlich zu machen, dass sie nicht schuld sind, wenn jemand eine unangenehme Atmosphäre verbreitet oder sie so berührt oder mit ihnen spricht, wie sie das nicht wollen.
Kinder sind Mädchen und Buben. Sie lernen von uns Erwachsenen und aus den Medien, der Sprache und Bildern, die sie umgeben, rollentypische Verhaltensmuster ein, die z. B. Buben mehr Platz einräumen oder Mädchen zu Nachsicht erziehen. Es ist wichtig, daß wir uns selber diese Rollenbilder bewusst machen und versuchen, Mädchen wie Buben das ganze Spektrum an Gefühlen und Handlungsspielräumen zu ermöglichen. Und Mädchen wie Buben ernstzunehmen, die unter diesen angeblich "normalen" Verhaltensweisen leiden und sich dagegen wehren. Mädchen, die von gleichaltrigen Buben weggeschubst, sexualisiert oder beleidigt werden, Buben, die in Bubengruppen keine "Rambos" sein wollen und verspottet werden, brauchen unsere Unterstützung, weil es viel Mut und Kraft braucht, in bestehenden Normen und ungerechten Verhältnissen eigene Wege zu finden.
Prävention - Deutsch
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